Die Erlösung vom Verlust aller 18 Jahre Reisegeschichten kommt erst am nächsten Morgen. Nach einer Nacht fast ohne Schlaf bin ich unendlich groggy. Aber auch voll der Hoffnung, als mein guter Hoster Vautron schreibt, dass sie aus mehreren inkrementiellen Datenbank-Backups meine 750 Reiseberichte wiederherstellen und auch dort vorhandene Datenbankfehler beheben konnten.
Ohne Überprüfung brechen wir ans nächste Ziel der Reise auf. Galtelli liegt im bergigen Hinterland nahe der berühmten Cala Gonone im Osten. Das altehrwürdige Dorf schläft tief und fest. Der Checkin läuft wie so viele andere zuvor komplett online. Unsere Unterkunft für die nächsten Tage ist eine echte Burg, das Castello Malicas. Direkt vor der Burg liegt ein uraltes Felsengrab, drumherum der große grüne Gemeindepark und dahinter der 806 m hohe felsige Monte Tuttavista. (mehr …)
Ich bin dann mal weg…
Spoiler: dieser Reisebericht hat rein gar nichts mit Hape Kerkeling, dem Jakobsweg oder Selbstfindung zu tun. Aber verdammt viel mit Selbstdefinition.
Die bunten mittelalterlichen Häuser von Bosa bezaubern ganz ohne behördliche Verbote von Klosteinfarben. Vermutlich haben sogar blinde Italiener bei der Farbwahl ihrer Häuser einen verlässlicheren guten Geschmack denn Deutsche bei Schuhen im allgmeinen.
Das am Weg liegende Castelsardo hat sich seit meinem letzten Besuch vor ein paar Jahren ganz schön verhipstert. Die Öl-auf-Holz-Werke im „Kunstmuseum“ der Burg kommentiert die Kleine bezaubernd kurz und treffend mit „bäh“. (mehr …)
Sardiniens wilder Westen
Die Reise führt uns weiter über Sardiniens wilden Westen nach Norden. In der Region Iglesias verwandelten über 2.000 Jahre Bergbau-Geschichte die Landschaft in einen Schweizer Käse. Ähnlich dem Ruhrgebiet fängt man gerade erst an, Geschichte in neue Arbeitsplätze zu konvertieren.
Unter rostbraunen Gebirgshängen besichtigen wir die Mine von Nebida. Danach geht es weiter nach Porto Flavia, ein beeindruckendes Stück Bergbaus unter belgischer Führung aus der Spätphase um 1920. Unser Schlumpf trollt sich mit uns begeistert durch tiefe dunkle Stollen. Die Galeria Henri in Buggeru ist leider geschlossen. (mehr …)
Sant’Antioco, Chia & Punta Trettu
Unser beider letzter Besuch auf Sardinien ist viel zu viele Jahre her. Den Norden kennen wir gut. Diesesmal konzentrieren wir uns auf den Süden. Vom Flughafen Cagliari geht’s mit dem Mietwagen gut eine Stunde über 80 km auf die südwestlich vorgelagerte kleine Insel Sant’Antioco. Unsere Unterkunft liegt direkt am höchsten Punkt der schönen Altstadt neben der Basilika. In den umliegenden Lagunen speisen die Flamingos zum Sonnenuntergang.
Auch nach Ostern ist Sardinien alles andere als schon erwacht. Alles ist leer, stressfrei und gemütlich. 25 bis 30° sind deutlich angenehmer als die permanenten 13° an Regen wie bei meinem letzten Besuch zur gleichen Jahrezeit. Du darfst noch an fast jedem spätestens ab Juni gesperrten Strand kiten und wild campen ist noch ein Massensport. (mehr …)
And I could walk 5000 years!
Der Sardische Wind zeigte vorgestern erstmals Zähne an der Westküste im UNESCO Weltkulturerbe der Jahrtausende alten Minen von Sulcis Iglesiente. Voll offshore bläst er mit 15 bis 30 Knoten bockend westlich Iglesias über die alten Silberberge und steilen Klippen mit bis zum Wasser reichenden Mienenruinen auf’s Meer hinaus. Mein Frühstücksbaguette fliegt baden.
Die Küstenstrasse nach Norden führt über atemberaubende Achterbahnen in steilen Hängen durch alte Bergarbeiterstädte wie Nébida. Die Stichstraßen in die Mienen über Buggeru sind vollkommen ungesichert und bieten daher weite Ausblicke. Auf der Autobahn bremsen die Sarden wirklich jeden Furzhuppel mit 30km/h aus – aber wenn du einen Jeep und Scheuklappen brauchst, um einen Berg raufzukommen, steht unten garantiert nichts. (mehr …)
Emmentaler auf Sardisch
Der Fahrstil eines Volkes verrät viel über seine Seele. Das gilt besonders für Philippinos in Manila, Dominikaner Samstag nachts und Vietnamesen auf dem Weg zu Beerdigungen. Und für Sarden generell immer. Die wildesten Gebirgsstrassen sind relativ dezent reglementiert. Doch sobald sie breit, sicher und gut ausgebaut ist: bremst dich der Staat auf die Hälfte dessen aus, was in Deutschland normal wäre. 50 km Tempo 50 ist die Peitsche für die Sarden!
Ihr Rasen scheint der letzte Aufschrei gegen die Fremdherrschaft zu sein. Fährst du auf Sardinien legal, sollte alle deine Aufmerksamkeit dem Rückspiegel gelten. 25% über der Höchstgeschwindigkeit ist das absolute Minimum, um nicht permanent gescheucht zu werden. 50% drüber ist der auch für Rentner gültige Standard. Rasen definiert der Sarde mit wenigstens 75% über dem Limit. (mehr …)
Sardinien schläft
Wie ein Geier ziehe ich in meinem Panda immer enger werdende Kreise auf der Suche nach meiner ersten Unterkunft auf Sardinien. Fehlende Adressen sind kein Problem. Dazu werden Sie erst, wenn man keine Menschen findet, die man nach dem Weg fragen kann. Alles ist geschlossen, die Straßen völlig leer, die Häuser verbarrikadiert.
Zwar sprechen auch heute wenig Italiener Englisch, aber sie verstehen mein Spanisch – und ich ihre Italienischen Antworten, zumindest gut genug um festzustellen, dass jede Antwort in die entgegengesetzte Richtung der vorherigen weist. Sardinien schläft noch tiefsten Winterschlaf. Ich bin Universalsolist beim Essen, fahren, laufen und reisen. Es ist kalt und regnet, aber ich fühle mich wohl. (mehr …)














Frank Woelky, Jahrgang ’73. Kitesurfer seit 1998. Seit 2006 bringe ich Kitesurfen und Webdesign auf mehrmonatigen Reisen abseits ausgetretener Pfade unter einen Hut.