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Reise Satire - 24 Beiträge

Zwei meiner größten literarischen Lieben?
Helge Timmerberg und Herbert Feuerstein.
Danke euch beiden für Eure Reise Satire!

Kriechendland

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#779
1905
2026
Di.
6:41
Tag #
6920
85
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Eigentlich hat die kleine gar nicht viel gemacht. In der Vorbereitung unserer Elternzeit wurde bei ihr aus „Griechenland“ einfach „Kriechendland“. Damit hat sie schon wieder eine Satire-Steilvorlage und Rechtfertigung ihrer Witzigkeit geliefert. Ein Land kriecht zum Ende. Ich hab nie gedacht, dass wir mal so weit kämen. Sind wir aber. Wie meinte der Ami in der Wirtschaft heute? „There’s still plenty of good left in your lovely Germany.“. Danke! Die Römer haben vor 2000 Jahren in Germanien sicher exakt den gleichen Spruch abgelassen – bevor sie uns mit Pizza „erlösten“.

Ich überlege kurz. Besonders stolz war ich eigentlich nie darauf, ein Deutscher zu sein. Ich sah es eher als eine Medallie für Zuverlässigkeit in Überregulation und Versagen. Jeder Reisende weltweit schüttet dir zumeist ungefragt eine leicht euphorische riechende Masse an positiven Adjektiven drüber: „Zuverlässig. Pünktlich.“. Fertig! Aufwischen! Für die gesamte südliche Welt hingegen scheint Deutschland noch immer ein Anagram von „Paradies“ zu sein. Ich degeneriere einstweilen offensichtlich zum Analphabeten. (mehr …)

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Im Warpo Sardo nach Cagliari

R
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#763
1305
2025
Di.
22:36
Tag #
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Sardische Tempolimits kannst du nicht begreifen. Du kannst sie nur ignorieren. Auf der langen Fahrt zurück in den Süden zum letzten Stop unserer gut zweiwöchigen Reise über 1.850 km wird das mal wieder fast schmerzhaft deutlich.

Sardische Tempolimits sind Dadaismus in seiner reinsten Form: komplett sinnbefreit. Eine höhere Macht hat sie der Legislative aus großer Höhe direkt ins Hirn geschissen. Dazwischen lag ein Gewitterzelle. Die Kacke gefror darin. Durch ihre nunmehr härtere Konsistenz wurden im Hirn der sardischen Legislative beim Einschlag leider irreparable Schäden im Gefahrenzentrum verursacht. (mehr …)

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Krach! Bumm! Peng! Argh!

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#742
0203
2023
Do.
23:14
Tag #
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Ein kleiner Philippinen Reiseführer. Ich liebe das Reisen, und das muss ich auch. Denn wer das Reisen um seiner selbst willen nicht liebt, der hat auf den Philippinen echt ein Problem.

Gerade viele deutsche Besucher scheinen ihren Fragen in den Philippinen Foren nach zu urteilen keinerlei Vorstellung zu haben, wie Reisen hier aussieht. Unmögliche Zeitpläne treffen auf unerfüllbare Wünsche. Zeit fur etwas Realismus. (mehr …)

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Die Mysterien von Trapani sind gelöst!

R
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#733
1604
2022
Sa.
11:56
Tag #
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Die Mysterien von Trapani sind eines der bedeutendsten christlichen Feste Siziliens. In einer 24-stündigen Prozession tragen hunderte von Gläubigen am Karfreitag 14.00 Uhr zwanzig bis zu einer Tonne schwere Heiligenfiguren durch die Altstadt von Trapani. Begleitet werden sie von zahlreichen großen Blaskapellen.

Wir kommen rechtzeitig zum Beginn in der Altstadt von Trapani an und sind vor allem wegen dem Sound sofort hin und weg. Die erste Kapelle scheint die Titelmusik des Paten zu spielen. Ein langsamer Jesus-Rave in Moll beginnt mit Märschen um die 70 BPM. Die Träger schwitzen trotz kühlem Wetter ab der ersten Minute. Die Mysterien von Trapani sind die Essenz des auf Sizilien noch mächtiger als in Bayern zelebrierten Katholischen Glaubens. (mehr …)

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Lipsi: Von Sinn und Unsinn

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#724
2707
2021
Di.
12:21
Tag #
5163
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Lipsi ist die kleinste Insel unserer Tour. Besiedelt seit der Bronzezeit diente Lipsi über Jahrhunderte einzig als Ziegenweide für das Kloster auf der größeren Nachbarinsel Patmos. Heute hat Lipsi gerade mal 700 Einwohner und schenkt als einziger Ort in weitem Umkreis seinen 8.000 Übernachtungsgästen pro Jahr Wasser in Glasflaschen aus.

Man hat sich dem Ökotourismus verschrieben. Daher sind auch Plastik-Sonnenstühle sowie Jetskis verboten. Als einzige Insel der Dodekanes praktiziert Lipsi Mülltrennung. Unseren grünen Punkt gibt es seit über 30 Jahren – und genauso lange dulden wir dass 60% in der Müllverbrennung zum „thermischen Recycling“ landen. Auf Lipsi scheint all der wunderbar getrennte Müll analog auf einer einzigen schlecht gesicherten Müllkippe zu landen – mit einem traumhaften Ausblick auf die Ägäis. (mehr …)

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Boracry

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#705
2211
2019
Fr.
23:45
Tag #
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Vor sieben Jahren machte Borawhy das Rennen als bester Insel-Spitzname zu Silvester. Heute gewinnt Boracry. Ich könnte heulen, wenn ich sehe, was wir dieser schönen kleinen Insel antun. Ich habe alle Hoffnung verloren, dass sich das noch jemals ändern lässt. Meine einzige Option nach sieben Besuchen: Bye bye Boracay! Bleibt bitte weg von dieser Insel!

Ja, Boracay ist wunderschön, der White Beach einmalig. Die Palmen tropisch, der Urwald im Norden dicht, das Wasser am Ilig-Iligan Beach ein kristallklares Aquarium voller bunter Fische. Die Auswahl an Restaurants und Bars ist gigantisch und der Wind am Bulabog in der Regel sehr gut zum Kiten. Das wars dann aber auch schon. Es gibt vieles was extrem im Argen liegt. (mehr …)

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Lustiges aus einem sauberen Land

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#693
2002
2019
Mi.
9:15
Tag #
4275
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Früh morgens sitzen Phlippinos wie hypnotisiert im Wartesaal der Fähre nach Batangas vor den blutigen Nachrichten im Fernsehen. Hier haben nur gute Menschen farbige Gesichter. Die Gesichter der Gewaltverbrecher werden entfärbt. Es wirkt wie eine dieser schwarzweissen Kunstfotografien aus den frühen Neunzigern mit einem einzigen farbigen Element – nur umgedreht.

Je blutiger die Nachrichten sind, desto ruhiger werden die Philippinos. Du spürst förmlich ihren Puls. Jede Blutlache bringt minus zehn BPM. Vorschulkinder kichern begeistert zu brutalsten Zombie-Metzlern aus komfortablen Kojen der elf Stunden dauernden Starlines Fähre. Zwei Tage lang bin ich mit Schiffen, Bussen, Minivans und Trikes auf dem Weg in das stärkste Windgebiet Asiens am abgelegenen Nordzipfel der Philippinen. (mehr …)

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Wenn Katzen tanzen könnten…

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#675
2301
2018
Di.
1:57
Tag #
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…dann würden sie Tango tanzen. In einem Swingerclub. In Buenos Aires. Nach Monaten in der Dominikanischen Republik und den heiligen Sonntagen unter schwuler französischer Regie von Thiery im ehemaligen Regensburger Hafenpuff dachte ich ernsthaft, Salsa wäre der erotischste Tanz der Welt. Ich lag sowas von falsch! Salsa ist einfach nur pornographisches Paar-Wichsen. Tango ist Sex.

Heute. Hier. Buenos Aires. Vermutlich der einzige kleine nicht-kommerzielle Tango-Schuppen in der 15-Millionen Tango-Metropole. Ich finde das Café Vinilo nach langer Suche im Internet, eine halbe Stunde vor Beginn und fünf Kilometer weiter. Zuerst schaue ich nur. Ich bin gut im Muster erkennen. Ich erkennen kein einziges. Jeder tanzt andere Schritte zu anderen Rythmen. Individualistisch wie Katzen. (mehr …)

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tango

Von Milchmädchen & Schokoburschen

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#590
1810
2014
Sa.
1:51
Tag #
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Am Strand von Santa Maria entlangschlendernd zähle ich jetzt schon das 57. Milchmädchen/Schokoburschen-Pärchen des Tages. Es gibt hier deutlich mehr Kinderschokolade-Paarungen als Single Malt. Weisse Fickinger sind kaum zu finden. Die schwarzen Burschen sind knackig, die weissen Mädels willig, und die Hormone laufen Amok.

Als weisser Mann bist du hier ungefähr so sexy wie ein pissgelber Grottenolm mit Rückenpelz, so gefragt wie Krätze als Brotaufstrich zum Frühstück, so beliebt wie wie ein Ofen-sprengender Mitbewohner auf Meth – und stehst auf der Liste der bedrohten Arten sowieso ganz oben. Genau so müssen sich die Dinosaurier nach dem Kometeneinschlag gefühlt haben. (mehr …)

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Jedem Orden seine Tracht!

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#583
1109
2014
Do.
7:52
Tag #
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Seit nunmehr geraumer Zeit weile ich in den Gefilden meines neuen Ordens Srilankakite. Unsere farbenfrohe Ordenstracht nimmt Bezug auf diffizilen lokalen Windverhältnisse. Meine Mönchsbrüder ziert die Aufschrift „Gusty ain’t for pussy“, meine Nonnen-Schwester tragen stolz den Sinnspruch „Size does matter“ auf der Brust. Beides ruft uns täglich ins Gedächtnis, wie sehr die Natur hier unser Herr ist.

Unser Tagesablauf ist geprägt von der stets gleichen meditativen Abfolge unserer klösterlichen Aufgaben: essen, kiten, arbeiten, essen, kiten, essen, trinken, schlafen. Unsere Pflichten verrichten mit höchstem Eifer, manch einer behauptet gar beim Punkte „trinken“ fielen einige Mönchsbruder dem religiösem Wahn anheim. Sich zu lauter Musik um die Trinkstätte gesellend kündigt ihr Ruf „Arrack-Attack!“ von der nächsten Runde. (mehr …)

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Brasilianischer Humor

K
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#562
1110
2013
Fr.
20:43
Tag #
2317
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Der TV-Moderator witzelt über drei Busräuber-Bandidos, welche gerade in Rio interviewt werden. Sie wurden erfolgreich von Passagieren gelyncht. Zwei unbewegte blutige Körper werden zensiert, einer stammelt mit recht blau geschlagenem Gesicht von misslungenen Heldentaten. Der Brasilianische Humor ist herb. Und Galinhos ist sicher, denn es gibt hier nur Eselkarren und Buggies.

Mein Portugiesisch macht dezente Fortschritte. Der Hausdame teile ich erfolgreich mit, dass ich gerade eine Katze verspeist hätte. Von meinem guten Geschmack beeindruckt fragte sie mich umgehend, ob sie meinen Opa waschen solle. Schon nach wenigen Minuten Gebärdensprache begreife ich, dass sie meine Wäsche meint. Die Antworten auf meine Fragen verstehen ich zwar selten, bin aber schwer von der Wirkung meiner Worte beeindruckt. (mehr …)

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75$ Schafkacke

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#511
2012
2012
Do.
22:44
Tag #
2022
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Mea Culpa. Ich bin immernoch Deutsch, und wir alle im Jahre sieben nach „Geiz ist geil“ dank Saturn endgültig die neuen Schotten Europas. Lederhosen und Laptop war mal, nach dem morgigen Weltuntergang gibt’s nur noch karierte Röcke und stromsparende Ipads. Ich darf also ein letztes Mal über den Wahnwitz neuseeländischer Preisgestaltung witzeln.

500$ für 4h Fähre? Fein! 13$ für ein Müsli? Mustergültig! 15$ für einen schriftlich neben der Straße feilgebotenen „bag horsepoo“? Düngt laut Uli gut, super! 45$ für alte Bücher ohne historischen Wert? Astrein! 50$ für Geisir-geiern? Geil! Doch was wir heute sehen, schiesst dem Fass endgültig den Boden gen Nirvana zwischen Größenwahnsinn und bedingungsloser Folgsamkeit aus. (mehr …)

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Meditation und Massaker

R
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#492
3005
2012
Mi.
7:01
Tag #
1818
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Mein Vater war ein guter Mensch. Als die schlechten Noten kamen, gab er mir eine Meditationskassette: Superlearning – lernen im Schlaf. Dieses Ende der füsorglichen Fahnenstange sorgte erstens für schnelles Einschlafen, bewirkte zweitens nichts von dem, was es sollte – und hinterließ mich letztens schon in der Kindheit deutlich Meditations-traumatisiert.

Heute bin ich ein sogenannter Kopfmensch. Das hilft leider kaum beim Schach-spielen, manifestiert sich aber definitiv in einer ausgeprägten Skepsis gegenüber jeglichen nicht logisch begründbaren Schädelwichsereien. Laut Aussage meines letzten Zimmernachbarn – Gott sei seiner Seele gnädig – wirkt manche Meditations-CD auf mich desaströser als eine Mischung aus Crack und Crystal Meth. (mehr …)

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Religion und Videoke

R
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#466
0702
2012
Di.
12:33
Tag #
1705
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Wenn Religion Opium für das Volk ist, dann ist Videoke Crack für die Philippinos. Kein Droge macht schneller süchtig, wirkt stärker und produziert krassere Filme. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben? Pah! Auch die tiefe Gläubigkeit der Philippinos kennt ihre Grenzen. Sie heisst Videoke. Dafür lassen sie alles liegen und stehen.

Die Videoke-Anlage ist in jedem guten Philippinischen Haushalt wichtiger als Klo oder Herd, sie ist in etwa dem indischen Hausaltar gleichzusetzen. Ich sah primitivste Bambushütten mitten im Dschungel – mit dicksten Videokeanlagen. An solchen Plätzen wird häufig sehr gut gesungen. Sobald die Anlage an einem öffentlichen Ort steht sinkt das Niveau in der Regel drei Meter unter bodenlos. (mehr …)

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Sibuyan Soder-Schedl

R
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#456
2801
2012
Sa.
21:56
Tag #
1695
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Sibuiyan ist eine Insel voll ab vom Schuss. Mitten in den Visayas, aber schwer zu erreichen. War schon immer so. In der letzten Eiszeit abgeschnitten von allen anderen Teilen der Philippinen gibt es hier heute viele endemische Arten. Manche sind schwer zu finden, andere unübersehbar. Heute schreibe ich über eine dieser Lebensformen: den Sibuyan Soder-Schedl.

Er quatscht den ganzen Tag ausnahmslos gequirlten Bockmist. Dem ersten Vertreter dieser Gattung trafen wir schon Tags zuvor im Romblon Deli. Wir fragten nicht nach seiner Meinung. Er sagte sie uns trotzdem. Natürlich lagen wir mit der unseren vollkommen falsch. Auf der Fähre am nächsten Morgen macht er das nochmal ganz klar. Ich mime Seekrankheit, um dem Schwall seiner Worte zu entkommen. (mehr …)

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Worldwide Weihnachts-Wahnsinn

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#423
2412
2011
Sa.
6:23
Tag #
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Weihnachten ist auf den Philippinen erfunden worden. Nichts macht Philippinos geiler: keine weisse Haut, kein Videoke, kein Jeepney-frottieren, kein Balut. Die Vorweihnachtszeit beginnt auf den Philippinen offiziell zwei Wochen nach Ostern und schaukelt sich bis Dezember zu einem nationalen Glückseeligkeits-Gangbang von epischen Ausmaßen auf.

Jeder hat jeden extrem lieb. Nur die Arbeitgeber ihre Angestellten nicht, denn die müssen über Monate übelste Hutkreationen tragen, die eindeutig gegen die Genfer Konventionen verstoßen. Die Philippinos der kleinen Inseln kommen zum shoppen rüber auf die großen und kehren als wandelnde Geschenkberge zurück. Der Sound hierzu: Jingle Bells auf Techno, 180 BPM. Knecht Ruprecht verratzt an Herzinfarkt. (mehr …)

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Weihnachtsgeschenke Für Philippinos

R
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#420
2112
2011
Mi.
10:58
Tag #
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Liebes Christkind, die Philippinos hatten ein hartes Jahr. Und sie waren brav. Falls Dir noch ein paar Geschenkideen fehlen: über die folgenden Sachen freut sich jeder Philippino. Ohne Ausnahme.

Sonnenschutz in jeder Form. Die Mädels gehen prinzipiell bis Mitternacht nur mit Sonnenschirm aus dem Haus. Die Zuckerrohr-Schneider rauchen durch das Gesicht voll verhüllende Tücher. Über Sonnencreme freuen sie sich natürlich auch, aber bitte wenigstens LSF 70.

Seife mit Bleichmittel steht auch ganz hoch im Kurs. Helle Haut finden alle Philippinos geil. Anfangs dachte ich, hier gäbe es viel zu viel Sextourismus. Hab mich getäuscht. Die Mädels macht einfach weisse Haut zu rollig um nicht draufzuhupfen. (mehr …)

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Porno-Party bei Mondfinsternis

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#412
1012
2011
Sa.
3:12
Tag #
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Ich war tagelang verzweifelt. Nix passiert, nur Touristen, keine Reisenden, keine Geschichten. Ich errtappte mich dabei, nur zwecks der Kommunikation nach Zimmerpreisen zu fragen, die ich gar nicht brauche. Heute bricht unerwartet ein Porno bei totaler Vollmond-Finsternis über mich herein. Sodom und Genorrhoe im Paradies, revisitet.

Was ist passiert? Speedboat nach Bohol. Die Scheiben im 6kW-Discobus Tobol-Tagbilaran wären sauber von der Anlage weggefetzt worden – wären da je welche gewesen. Hotel La Roca, Erleuchtung nach Kukuks Nest. Aber nichts passiert. Egal wo ich hinschau, mir fehlt das zweite Paar Augen. Schreiben war einen Monat unerwartet leicht und kernig. Jetzt fühl ich mich mehr als nur halb blind. (mehr …)

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Ich bin sowas von Nina!

R
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#405
3011
2011
Mi.
13:54
Tag #
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Kennt ihr Nina, unser aller blöd-blonde Ordnungs-Schlampe Nummer eins? Sie checkt im TV Hotels in „Achtung Kontrolle“ und ist die ultimative Verkörperung neudeutscher Peinlichkeit. Gebucht werden Pauschalreisen für wenig Geld mit der Erwartung eines Traums aus 1001 Nacht auf Malle. Nichts zahlen, alles wollen, ständig motzen: typisch Deutsch

Ihr Lieblingsutensil ist ein weisser Stoffhandschuh. Mit diesem wischt sie dann über irgendwelche Stellen, an die kein Zimmerbewohner je blickte. Dann verzieht sie ihre Hackfresse und gibt Sprüche Marke „Pfui, wie unhygienisch!“ zum besten. Dazwischen fällt 100 mal ohne jeglichen finanziellen Zusammenhang das Wort „Holidaycheck“. (mehr …)

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Von Kreuzfahrern und Dauercampern

R
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#394
1911
2011
Sa.
7:19
Tag #
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Mir sind zwei Arten von „Reisenden“ äußerst zuwider. Die einen sind die Kreuzfahrer, die anderen die Dauercamper. Beide führen Sinn und Zweck des Reisens ad absurdum. Die Kreuzfahrer meinen, nur weil sich ihr Hintern bewegt, wären sie am reisen. Auffallend viele erleiden einen Herzinfarkt, wenn sie dann wirklich mal einem kurzen Prozessionszug zu irgendeiner vollkommen überlaufenen touristischen Sehenswürdigkeit folgen.

Die anderen sind die Dauercamper. Was ist der Sinn eines Heims, das zum Reisen gebaut wurde, aber immer nur an einer Stelle steht? Reisende sind frei im Herzen, Dauercamper haben nur freie Auswahl bei Vorurteilen. Warum mögen Dauercamper Spitzengardinen und Gartenzwerge hinter Jägerzäunen, aber keine Hohlblockziegel? (mehr …)

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Chicken oder Ficken?

R
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#389
1311
2011
So.
23:55
Tag #
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Um sechs Uhr morgens brechen wir auf. Bis dahin habe ich bereits drei Stunden vergeblich versucht, mein Handy als Laptop-Modem zu nutzen. Globe blockiert das Handy, sobald es am Laptop hängt. Nichts frustet Webdesigner mehr, als keine Verbindung zu haben. Das Omen eines Tagesmottos klopft an die Tür.

Wir fahren zum nahgelegenen alten Sommerhaus der Marcos. Noch geschlossen – und wirklich komplett wolkenverhangen. Wir rollen wieder runter in den Vulkankrater des Taal-Sees. Keine Straße in ganz Talisay führt ans Ufer für ein schönes Frühstück. Wir essen im Auto. Stopp an einem Einkaufszentrum. Eine halbe Stunde später macht es auf, und zwei nette Angestellte vergeuden eineinhalb Stunden vergeblich damit, mein Handy mit neuer Smart Simcard ins Internet zu schleudern. (mehr …)

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Ich hasse Julius!

R
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#341
2804
2010
Mi.
18:54
Tag #
1055
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Es gibt so Namen, da fährt’s mir jedes Mal, wenn ich sie höre eiskalt den Rücken runter. Namen, die reinen, abgrundtiefen Hass induzieren. Namen, die eine Strafe sind. Namen als Strafen sind in den letzten Jahren sehr in Mode gekommen – oder ich in die Jahre…ich überleg da noch.

Ich hasse Julius. So ein scheisstrendiger neudeutscher althumanistischer Name. Wer Julius heisst, ist ein Depp. Oder viel mehr: wird einer. Wie der Herr so’s G’scherr. Die Eltern von Julius sind immer von der Sorte „Ich hab einen Sohn, ich brauch keinen Waffenschein, um Kontrollfreak zu sein“. Jeder Julius weniger macht mich glücklich, daß Deutschland ausstirbt. (mehr …)

junge fuckfinger
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Auf Timmerbergs Spuren

R
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#333
0403
2010
Do.
22:23
Tag #
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Ich bekomme gute Bücher geschenkt. Allein im letzten halben Jahr drei mal Helge Timmerberg, keiner wusste vom anderen und jeder kam genau einmal. Das erste hab ich mit einem akuten Bauchmuskelanriss knapp überlebt. Das zweite liegt jetzt neben mir im Zug nach Basel. Ich hab Angst anzufangen.

Es gibt richtiges Reisen. Und es gibt das Gegenteil. Timmerberg macht alles richtig, denn er macht praktisch alles falsch. Er hat keine Angst davor. Er sieht mehr, fragt mehr, findet fast nie, was er sucht – und fällt deutlich herzhafter auf die Fresse als jede stilettotragende Bergsteigerin. Ich begeb mich auf Timmerbergs Spuren. (mehr …)

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Sodom und Gonorrhoe im Paradies

R
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#115
2810
2007
So.
23:28
Tag #
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Jeder der auf Mana war berichtet in leuchtenden Farben vom Paradies. Niemand, den ich traf war so lange wie ich auf Mana. Meine Farben ändern sich mit der Aufenthaltsdauer. Ist man kurz da, leuchtet alles schön und grell. Ist man lange da, verblassen die Farben.

Was stets gleich schön bleibt ist die Farbe des Himmels, des Wassers, der Palmen. Die ändern sich nie. Das was verblasst, ist die Farbe der Reisenden hier. Obwohl sie von Tag zu Tag roter werden, werden sie jeden Tag weniger bunt. Als würde man viele Farben in einem Topf mischen. Was rauskommt aus der Vielfalt ist ein langweiliges Grau. (mehr …)

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